Kunstgeschichte
Wendlandt_Eseltreiber
Einweihung der Eseltreiber-Plastik 1988 — Haimann; Archiv-Vegelahn

Von Eseln und Künstlern

4. September 2026

Mehr als zehn Jahre dauerte es, bis Osterode am Harz zu seinem Eseltreiber-Denkmal kam. Die Geschichte begann bereits 1978: Über die Errichtung eines Denkmals wurde erstmals beraten, 1982 ging es um den möglichen Standort. Der Heimat- und Geschichtsverein trieb das Vorhaben voran und startete 1983 eine Spendensammlung. Nach einer längeren Pause kam ab 1984 wieder Bewegung in das Projekt.

Besonders engagiert war Artur Wiese, der die Spendenaktion übernahm. Bis November 1986 waren bereits 51.430 Mark zusammengekommen, im Dezember lagen auf dem Sonderkonto des Heimat- und Geschichtsvereins 54.615 Mark. Während die Finanzierung weiterlief, arbeitete der Bildhauer Helmut Moos am Entwurf der geplanten Bronzegruppe. Ein Zeitungsbericht von 1988 erwähnt, dass Moos die Plastik bereits 1976 als Tonmodell geschaffen hatte.

Dann sorgte ausgerechnet ein Aprilscherz für Aufsehen.

Am 1. April 1987 stand plötzlich ein etwa 200 Kilogramm schwerer Esel aus geschweißtem Eisenblech vor dem Alten Rathaus. Auszubildende der Firma Anton Piller hatten ihn in der Lehrwerkstatt gebaut; beteiligt war auch ihr Ausbilder Gerd Schneider. Das kantige, technische Tier war bewusst als Scherz gedacht. Ein Schild verkündete: „Ich bin der Erste, aber nicht der letzte Esel, der hier steht!“

Der Gag kam an – doch der Esel war nicht für die Ewigkeit gebaut. Das sandgestrahlte Eisen begann zu rosten und musste wieder entfernt werden. Später entstand für Freiheit eine weitere, witterungsbeständigere Version. Sie fand ihren Platz am Brink beziehungsweise an der Freiheiter Hauptstraße und steht dort bis heute. Nachdem ihm einmal ein Ohr abgebrochen war, reparierte Gerd Schneider den Esel erneut.

Der eigentliche „Eseltreiber“ folgte schließlich am 3. Juni 1988. Bürgermeister Siegfried Wendlandt enthüllte vor dem Alten Rathaus die von Helmut Moos geschaffene Bronzeplastik. Sie zeigt einen Eseltreiber mit einer Schnapsflasche und einen mit einem Kornsack beladenen Esel. Die Figuren gehen in unterschiedliche Richtungen: Der Esel zieht rechts am Rathaus vorbei zum Kornmagazin, sein Treiber links in Richtung Martin-Luther-Platz.

Auf dem Kornsack steht der aus einer Erzählung aus Lerbach von Heinrich Pröhle überlieferte Spruch:

„Eseltreiber juck, juck, juck, / hat en kleinen Schluck, Schluck, Schluck“

Eine Tafel erklärt den historischen Hintergrund: „Von Osterode aus versorgten Eseltreiber die Bergleute im Oberharz mit Korn.“

Die Einweihung verband Heiterkeit mit Erinnerung. Zu Beginn wurde mit einer Schweigeminute der Opfer des Grubenunglücks von Borken gedacht. Anschließend stürmten Kinder die neue Plastik und kletterten sogar auf den Esel. Helmut Moos konnte zufrieden feststellen: „Mein Werk scheint ja zu gefallen.“

Und Bürgermeister Wendlandt hatte die passende Pointe: „Den Esel als Schimpfwort zu benutzen, entspricht wohl nicht der Würde dieser Tierart.“

Aus einer jahrzehntelangen Idee war damit ein Stück Osteroder Stadtgeschichte geworden – und tatsächlich blieb es nicht bei einem Esel.

Text zusammengestellt aus:
archiv-vegelahn.de Wo wird wohl der April-Esel bleiben?
archiv-vegelahn.de Störrisches Tier verweilt jetzt vor dem Rathaus
archiv-vegelahn.de Wird das Eseltreiberdenkmal noch aufgestellt?
osterode-freiheit.de - Geschichtsblätter - So eine Eselei

Werke in dieser Geschichte

Original: Auszubildende der Firma Piller, 1988